Doodle's kurzes Leben

Man hat mich und meine Schwester von meiner Mama weggenommen und einfach ausgesetzt. Wir hatten erst ein paar Tage die Augen offen, konnten die Mama noch gar nicht richtig erkennen. Da wurden wir weggebracht, wie Müll weggeworfen.

Wir wurden gefunden und zu Menschen gebracht, die sich lieb um uns gekümmert haben. Wir waren schlau, meine Schwester und ich. Wir haben ganz schnell gelernt, selbst zu fressen und das haben wir ordentlich getan!

Aber ich wurde krank, schlimm krank. Ich weiß nicht was ich hatte, ich kann es auch nicht beschreiben. Ich musste allein in einen Raum, ich sollte da wieder gesund werden.

Jeden Tag wurde ich gepiekt, jeden Tag wurde mir ein Stock in den Po geschoben und eine Zeit ging es mir langsam ein wenig besser. Mir wurde alles Mögliche zum Fressen hingestellt, die allerallerbesten Sachen! Ich hätte mich für mein Leben gern draufgestürzt und hätte alles so gern gefressen.

Aber ich konnte nicht, ich mochte nicht fressen, es ging einfach nicht!

Es ging mir langsam wieder schlechter, ich weiß auch nicht warum. Ich wurde immer schwächer, konnte meinen Menschen gar nicht mehr anmeckern, gar nicht mehr mit meinem Schwänzchen wedeln. Ich wollte gar nichts mehr, mich nicht bewegen, nichts fressen, an gar nichts mehr denken.

Ich wollte nur noch schlafen, für immer einschlafen!

Mein Mensch hat mir von der Regenbogenbrücke erzählt, ihr kennt die Geschichte, glaube ich. Ich will nur noch dahin! Ich glaube ganz fest, daß es mir da wieder gut geht, für immer. Ich will dahin, jetzt und sofort, habe ich mir gedacht.

Aber der Tod hat keine Eile, er kommt langsam, schleicht sich fast heran. Er ist ein fieser Geselle, er holt mich nicht schnell. Er kommt langsam und halt viele Schmerzen dabei. Warum macht er das nur? Er ist unvermeidlich, da muss er mir doch nicht noch mit Absicht weh tun???

Ich bin doch noch nicht einmal zwei Monate alt, was bildet sich denn der Tod eigentlich ein, wie viel Schmerz, wie viel Leid ich kleines Würmchen ertragen kann? Der Tod ist einfach nur ganz, ganz gemein!

Aber er hatte dann doch ein Einsehen.

Ich habe meine Augen geschlossen um zu sehen. Ich habe den Weg zur Regenbogenbrücke gesehen, er ist nicht mehr lang. Ich werde ihn gehen können, ich werde ihn jetzt gehen. Ich sehe schon von weitem, wie schön es dort ist, so bunt, so hell, so viel Leben. Ich bin fest entschlossen, ich gehe jetzt.

Ich habe keine Angst mehr, ich habe keine Schmerzen mehr, ich fühle nur noch Erlösung, gute Gefühle.

Denn ich habe das Licht gesehen!

Wir sehen uns wieder,
euer Doodle