Vorurteile gegen Auslandstierschutz

Tierschutzgesetze, wie wir sie kennen, gibt es in den meisten ost- und südeuropäischen Ländern wie z.B. Rumänien nicht. Tiere, vor allem Hunde werden dort als Plage angesehen, herrenlose Streuner verbringen ihr Leben auf der Straße unter schlimmsten Bedingungen, von Hunger, Schmerz und Angst geplagt und nie in Sicherheit.

Wenn sie eingefangen und in Tötungsstationen verbracht werden – sofern sie nicht vorher schon auf der Straße erschlagen oder vergiftet wurden – kommt die nächste Hölle auf sie zu. In diesen Tötungsstationen werden sie unter unvorstellbaren Bedingungen untergebracht. In kleinen Käfigen, oft ohne Wasser und Futter, ohne Hoffnung und unter Todesängsten wird eine Frist von 14 Tagen abgewartet, ob sich doch ein Besitzer meldet. Wenn dies nicht der Fall ist, werden die Tiere getötet. Nicht mit Spritzen, die sie einschlafen lassen. Auf die grausamsten Arten, die man sich vorstellen kann.

Adoptionen sind größtenteils allerdings unmöglich, Tierschützern und Adoptionsinteressenten wird der Zugang zu den Shelters nahezu immer verweigert – wahrscheinlich aus guten Gründen!

Selbst wenn Besitzern ihre Hunde gestohlen werden (aus den eigenen Gärten oder beim Spaziergang), bekommen sie IHRE Hunde in den seltensten Fällen wieder, obwohl sie alle erforderlichen Papiere vorweisen können!

Oft hören wir: "Warum helft ihr Tieren in Rumänien, wenn es doch in Österreich genug arme Hunde und Katzen gibt?"

Dazu möchten wir zu folgender gedanklichen Szene einladen:
In der Wiener Innenstadt, sagen wir direkt am Stephansplatz, geht ein Hund. Sein Fell ist kahl vor Milbenbefall, er hat eine tiefe, entzündete Fleischwunde am Rücken, sein rechtes Hinterbein steht seltsam vom Körper ab, er kann nur schwer gehen. Er ist nicht alt, man sieht an seinem welpenhaften Gesicht, dass er erst ein paar Monate alt ist. Er schleppt sich über den Stephansplatz, bleibt irgendwann an der Mauer der Kirche liegen und schließt vor Schmerz und Angst seine Augen.


Wie lange würde dieser Hund dort liegen? Wie viele Menschen würden an ihm vorüber gehen?

Mit Sicherheit nicht lange. Es wäre undenkbar, dass sich niemand um ihn kümmert und nicht dutzende Menschen schauen würden und entsetzt wären. Jemand würde die Tierrettung verständigen oder den Hund zu einem Tierarzt bringen. Doch eigentlich ist es nicht vorstellbar, dass es überhaupt so weit kommt, dass ein Hund mitten in der Stadt in so einem Zustand ist.


Stellen wir uns die Szene im Zentrum von Bukarest vor.
Derselbe Hund, dieselben Verletzungen, derselbe Blick.
Wie lange würde dieser Hund dort liegen? Wie viele Menschen würden an ihm vorüber gehen?
Die Antwort ist leider eine gänzlich andere. Der Hund würde dort so lange liegen, bis im besten Fall ein Tierschützer kommt und ihn versorgt. Oder es kommt ein Hundefänger, der ihn in eine Tötungsstation bringt. Oder bis er stirbt. Fast alle Menschen würden an ihm vorübergehen, es würde niemanden interessieren.

Deshalb helfen wir Tieren in Rumänien. Es ist richtig, auch hier bei uns in Österreich sitzen genug arme Seelen in Tierheimen und wünschen sich sehnlichst ein Zuhause und Menschen, die sie lieben. Doch sie haben zumindest die Garantie (!) auf ein Überleben.

Österreichische Tierheime werden staatlich subventioniert, Tierschutz wird bei uns groß geschrieben und kein Hund in einem österreichischen Tierheim verhungert, erfriert oder wird erschlagen, falls er kein neues Zuhause findet.


Auslandstierschutz funktioniert nur durch Spenden und durch Menschen, die bereit sind, sich dem unvorstellbaren Grauen zu stellen und anzupacken. Staatliche Unterstützung gibt es in Rumänien nicht, im Gegenteil. Wird die „Straßenhundeproblematik“ zu groß, wird zum großen Töten aufgerufen, wie im Herbst 2013. Mit dem Leid der Tiere wird maximal noch mehr Geld verdient…. Große mediale Berichterstattungen haben die Welt in Empörung versetzt.

Auch wenn das Tötungsgesetz wieder außer Kraft gesetzt wurde, getötet wird weiterhin. Von der staatlichen Behörde im Geheimen, von den Menschen auf der Straße weiterhin ganz öffentlich!

Es wird nicht möglich sein, von heute auf morgen das Denken der Menschen umzukrempeln und jedes Tier zu retten. Schritt für Schritt wird daran gearbeitet. Jetzt werden einige der unzähligen Tiere von engagierten Tierschützern medizinisch versorgt und nach Möglichkeit kastriert. Nur so kann das Problem langfristig gelöst werden – Kastration ist die einzige Möglichkeit, neues Leid gar nicht aufkommen zu lassen.

Natürlich kosten sowohl die medizinische Versorgung, als auch Kastrationen einen Haufen Geld. Ohne Unterstützung von tierlieben Menschen, denen das Schicksal der Straßentiere nicht egal ist, ist es nicht zu bewerkstelligen.